Mehrgenerationenwohnen auf dem Krankenhausareal - Rückblick auf die VHS-Veranstaltung vom 8.5.2017

Ende 2013 initiierte die Stadt in Zusammenarbeit mit der VHS eine Veranstaltung zum Thema Mehrgenerationenwohnen. Daraus entwickelte sich eine Gruppe engagierter Bürger, die dieses Thema weiterverfolgen und in der Praxis erproben wollten. Nachdem nun seit längerem feststeht, dass dieses Projekt auf dem ehemaligen Krankenhausareal geplant werden soll, wollten die Veranstalter von einst der Frage nachgehen, wo die Idee und das Projekt heute stehen. Knapp 60 Interessierte waren gekommen und übertrafen damit bei weitem die erwartete Teilnehmerzahl.

 

Moderiert wurde der Abend von Bürgermeister Balzer, der zunächst den Unterschied zwischen Mehrgenerationenhaus und Mehrgenerationenwohnen herausarbeitete. Während im Mehrgenerationenhaus die Begegnung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in verschiedenen Veranstaltungen im Vordergrund steht, meint das Mehrgenerationenwohnen das Wohnen aller Generationen unter einem Dach, wobei sowohl Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung wie auch Rückzug ins Private möglich sind. Herr Balzer äußerte die Hoffnung, dass das Mehrgenerationenwohnhaus sowohl architektonisch als auch inhaltlich in die Stadt hinein ausstrahlen werde und sagte dem Projekt weiterhin die ideelle Unterstützung der Stadt zu.

 

Stadtplaner Stefan Setzer zeigte in einem anschaulichen Beitrag das Umfeld des geplanten Mehrgenerationenwohnhauses auf und ließ den Betrachter die verschiedenen Ansichten erleben, die die Bewohner des Mehrgenerationenwohnens auf die umgebende Bebauung haben könnten.  Er hob hervor, dass mit dem Spielplatz für Kinder in der Mitte des Areals und mit den in der Nähe befindlichen Schulen und Kindergärten die Lage des Quartiers gerade für junge Familien sehr attraktiv sein wird.

 

Elke Gassen und Henrike Ritter-Kurr erläuterten den Backnanger Ansatz für das Wohnprojekt, der in den letzten drei Jahren in zahlreichen Sitzungen, Workshops und gemeinsamen Unternehmungen entwickelt wurde. Wichtig ist, dass in dem künftigen Wohnhaus alle Generationen unter einem Dach versammelt sind, auch wenn naturgemäß derzeit die ältere Generation in der Überzahl ist. Im nächsten Schritt strebt die Initiative deshalb die weitere Integration Jüngerer, vor allem auch die Einbeziehung von Familien, in das Projekt an.

 

Gabriele Wagner, die vom Wohnprojekt in Herrenberg wies darauf hin, dass die jüngere Generation mit Kindern vor allem über Mietwohnungen in ein solches Projekt geholt werden könne.  Erfreulicherweise gibt es auch im Backnanger Modell bereits zwei Investoren, die an junge Familien vermieten wollen. Frau Wagner machte der Backnanger Gruppe darüber hinaus Mut: Es sei viel Arbeit, die in einem solchen Projekt stecke und auch Konflikte seien normal, aber der Einsatz lohne sich, denn die Wohn- und Lebensqualität sei sehr hoch.

 

Möglichst jeder Bewohner vermag sich nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten in das Gemeinsame einzubringen. Das unterscheidet ein Mehrgenerationenwohnhaus von einem gewöhnlichen Mehrfamilienhaus. Sehr anschaulich wurde dieser Grundgedanke in einem Sketch durch Sonja und Rolf Janert sowie Tina Unold  dargestellt: Da eigentlich immer jemand im Haus ist, kann auch kurzfristig auf die kleinen Unwägbarkeiten des Alltags reagiert werden. Fällt Unterricht aus, ist jemand krank, benötigt man das nicht eingekaufte Ei- ein Ansprechpartner ist mittels Mobilphone schnell gefunden. Gabriele Wagner vom Wohnprojekt Herrenberg hat diese Szene bestätigt: „genau so findet es bei uns täglich statt“.

 

Architekt Klaus Weller erläuterte schließlich, wie er die Idee des Mehrgenerationenwohnens in entsprechende Architektur umsetzen will. Ich-wir-alle: diese drei Komponenten müssten Eingang in das Haus finden: Individuelle Wohnung, gemeinsame Wohn- und Begegnungsbereiche, Möglichkeit der Interaktion mit den Bewohnern des Quartiers – all das müsse in der Architektur berücksichtigt werden. Er erwähnte als eine Möglichkeit die in der Schweiz bereits erprobte Form des Clusterwohnens, bei dem sich mehrere Bewohner einen gemeinsamen Bereich teilen und die eigenen Wohnungen dadurch kleiner bemessen sein können. In einem Teilbereich des geplanten Hauses soll es auch in Backnang diese Wohnform geben. Eine großzügige Dachterrasse und ein Gemeinschaftsgarten für alle Bewohner ist ein weiterer Ansatz für Begegnung. Daneben soll es selbstverständlich aber auch den privaten Rückzugsbereich der eigenen Wohnung geben, die derzeit noch gestaltbar sei.